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Internationale Shagya-Araber Gesellschaft
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Shagya-Araber mark - this sun is the orign mark of Sire Line Shagya

Bedeutende Shagya-Araber-Hengstlinien: O'Bajan

von Dr. Fritz Gramatzki - 1979

english version   

deutsche Fassung

Die Linie des Rappen O'Bajan

   
Seit der Gründung des ungarischen Hauptgestütes Babolna im Jahre 1789 vergingen fast 100 Jahre, in denen sich im wechselvollen Lauf der Geschichte die Araber dieses Gestütes zu ausdauernden harten Soldatenpferden der Honved-Husaren formten, Importe aus Arabien frisches Original-Araberblut nach Ungarn brachten, bis im Jahre 1885 ein schwarzer Edelstein aus den Wüsten Arabiens nach Babolna kam, der wieder zu einem bedeutenden Eckpfeiler der Araberzucht wurde.    
O'Bajan, geb. 1880, erlangte große Berühmtheit sowohl in der Zucht des Vollblutarabers als auch vor allem beiden Zuchtlinien der „Araber-Rasse", wie sie damals genannt wurden, heute insgesamt als „Shagyas" bezeichnet. Es hatte also viele Jahre gedauert, bis sich unter all den Importen ein Hengst dieses Formates wie O'Bajan fand, der die in ihn gesetzte Hoffnung noch übertraf.    
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Dieser Original-Araber O'Bajan, dessen Vater vom Stamm der Anaze el Sbaa und seine Mutter von der Familie Meneghie kamen, wird von Graf Wrangel in seinem Buch „Ungarns Pferdezucht" im Jahre 1892 wie folgt beschrieben: „Gegenwärtig verfügt Babolna nur über einen Original-Araber. Es ist dies der im Jahre 1885 aus der Wüste gebrachte Rapphengst O'Bajan, ein sogenanntes,Pferd zum Verlieben'. O'Bajan ist klein, er mißt nur 154 cm, doch kann man auf ihn das bekannte multum in parvo' anwenden. Der edle Kopf mit den klugen, ausdrucksvollen Augen, der schön getragene, wenn auch etwas kurze Hals, der herrliche Rücken mit der kräftigen Nierenpartie, das gut entwickelte breite Kreuz, die befriedigende Tiefe, die trockenen, sehnigen und korrekt gestellten Gliedmassen, an denen nur die zu langen und zu weichen Fesseln getadelt werden können, die in allen Gangarten zu Tage tretende vorzügliche Aktion und last not least die bereits vorhandene gute Nachzucht, die viel größer zu werden verspricht als der Hengst selbst - alles dies stempelt O'Bajan zu einem äußerst wertvollen Beschäler. Was speziell seine Nachzucht anbelangt, so zeichnet diese sich nicht nur durch Adel und harmonische, kräftige Formen, sondern auch dadurch aus, daß sie durchschnittlich um 10-12 cm höher ist wie der Vater."    
Beschreibung von Gustav Rau 1911
O'Bajan hat 25 Jahre lang bis 1910 als Hauptbeschäler in Babolna gewirkt und in dieser Zeit 312 Fohlen geliefert, von denen 112 Landbeschälerwaren und 56 Mutterstuten in die Herden eingestellt wurden. Ein Jahr vor seinem Tode besuchte Gustav Rau Babolna und gibt vom alten O'Bajan folgende Beschreibung: „O'Bajan soll früher ein schönes Pferd gewesen sein. Heute ist er nur noch eine Ruine und sieht ruppig und struppig aus, aber noch leuchtet die große Lebenskraft, die ihn zum gewaltigen Reproduktor machte, aus seinem Auge." Rau betont die lange und geräumige Kruppe und bezeichnet diese als das schönste, was noch im Alter an O'Bajan bemerkenswert ist, genauso wie seine starke Muskulatur; von der Nachzucht, meistens Rappen und Dunkelbraune, schreibt Rau, sie seien erheblich größer als der Alte; breite, tiefe, gutgeschlossene Pferde mit schönen ausdrucksvollen Beinen und reichlicher Muskulatur. Unter seinen Kindern werden die Mutterstuten als ganz besonders ausdrucksvolle und bildschöne Modelle gelobt und zeigen sich in den Pedigrees vieler hervorragender Hengste und Stuten, wie z.B. der Mutter des in Babolna geborenen Stammhengstes Gazal von Gazlan I und der 32 O'Bajan. Von dieser Mutter soll dieser bedeutende Beschäler Gazal auch das etwas längliche, aber immer noch gut geschlossene Mittelstück und die lange, gut gelagerte Schulter geerbt haben.  

"O'Bajan ist im Jahr 1910 eingegangen. Dieser Hengst hat Bábolna ernorm genützt. Immer und immer wieder findemt man seinen Namen und sein Blut wird noch lange nachwirken. Er gabi viele gute Töchter und Söhne. O'Bajan war 1880 geboren und kam 1886 aus dem Orient nach Bábolna. Er war schwarz. Sein Vater stammte von der Rasse der Anazee el Sbaa, die Mutter von der Rasse Memghie. O'Bajan, ein ziemlich kurzes Pferd mit sehr guter, reich entwickelter Muskulatur, war mehr derb-robust als edel-schön, dabei aber doch voll von Nerv und Charakter. Der Hengst war etwas lang und weihc in den Fesseln, im Halse ziemlich kurz und stark. Rücken gut geschlossen. Kruppe etwas rund, aber voll und kräftig. Seine Produkte, meist Rappen oder Dunkelbraune, sind gewöhnlich größer als der Vater: breite, tiefe, oft etwas runde, schön geschlossene Pferde mit guten, ausdrucksvollen Beinen und reich entwickelter Muskulatur, ohne ganz den Adel der edelsten Araber zu besitzen."

5 Söhne des Original O'Bajan sind Hauptbeschäler in Babolna geworden, von denen nur einer, O' Bajan I Vollblutaraber war, die anderen 4 zählen zur Araber­Rasse, also zu den Shagyas.

Der bedeutendste von ihnen ist der braune O'Bajan V, geb. 1894, aus der 58 Samhan. Dieser Hengst hat eine große Linie in männlicher Deszendenz be­gründet, wie aus dem im Anhang beigefügten Stammbaum hervorgeht.

 

"O'Bajan V, braun, 1,61 m, geb. 1894. Von O'Bajan aus der 58 Samhan von Samhan - 78 Mehemed Ali.
Ein guter, kräftiger Hengst mit reicher Muskulatur und viel Adel. Tiefer, langer Rücken. Dornfortsätze der Rückenwirbel anscheinend etwas kurz. Mit langer, breiter und gerader Kruppe. HInterbeine etwas gesäbelt. Mächtiger Aufsatz. Schöne Manieren"

Erwähnenswert ist sein 1904 in Babolna geborener Sohn O'Bajan V-6 aus der 122 Zarif III, der in Südamerika, vor allem in Brasilien und Argentinien wegen seiner Schönheit und Prägnanz in den dortigen Araberzuchten als Beschäler verwandt wurde und eine verbreitete Blutlinie begründete. In den sorgsam geführten Stutbüchern ist dieser den Shagyas zuzurechnende Beschäler in zahlreichen Pedigrees von Vollblutarabern verzeichnet, und um seine Anerken­nung sind viele genetisch fundierte Verhandlungen geführt, bis anläßlich der WAHO-Konferenz in Hamburg 1978 ein Kompromiß zugunsten dieses hervorragenden Vererbers beschlossen wurde.    
Über den braunen Beschäler O'Bajan VI hat sich O'Bajan V in dem kapitalen O'Bajan VII, geb. 1923 aus der Shagya XVIII, ein Denkmal gesetzt. Ihr Vater Shagya XVIII wird beschrieben als Hengst mit Kaliber und außerordentlicher Energie; ein überliefertes Bild zeigt ihn als sehr geschlossenes Modell mit her­vorragendem Fundament und starken Gelenken. O'Bajan VII trug die Schimmelfarbe seiner Mutter. Er war ein Hengst von großem Gleichmaß in allen Körperformen. Seine Oberlinie zeigt den erwünschten Schwung vom hoch aufgesetzten Hals über den ideal geformten Rücken zur langen Kruppe mit dem schön getragenen, etwas hoch angesetzten Schweif. Der Hengst ist wie aus einem Guß und stellt eine ideale Synthese von Kaliber, Ausdruck und Markanz, alles in korrekten Abmessungen, dar. Bemerkenswert sind die kräftigen Beine mit den guten Gelenken, vor allem den tieflegenden und sehr ausdrucksvollen Vorderfußwurzeln. Besonders beachtenswert sollen seine energischen, raumgreifenden Tritte gewesen sein, Ausdruck seiner Energie, die auch das beigefügte Bild ausstrahlt.    
Für das Hauptgestüt Babolna hat dieser O'Bajan VII vor allem den mächtigen dunkelbraunen Beschäler O'Bajan X geliefert. Sein Sohn O'Bajan XIII, langjähriger Hauptbeschäler in Babolna, war ein Glanzrappe, der eine besondere Schönheit von seiner Mutter, der braunen 242 Kuhaylan Zaid ox ererbt hat. Aus ihr stammt auch der bildschöne Schimmelhengst Kuhaylan XI.   Shagya-Araber Hengst O'Bajan X-5

O'Bajan X-5

Dieser O'Bajan XIII wurde in Babolna stark benutzt und hat sich in herrlichen Töchtern vererbt. Wenn der Hengst bei gestrecktem Format auch nur klein war, sind die meisten seiner Töchter erheblich größer. Alle stehen sie im Langrechteckformat, besitzen die einmalige Schönheit, die der Hengst selbst ausstrahlte, sind im Charakter einfach und bei großer Ausdauer leicht zu reiten. Aus diesen Gründen sind auch eine Reihe von O'Bajan XIII-Töchtern in unseren Zuchten in der Bundesrepublik beliebt und stellen ein hohes Zuchtpotential dieses wertvollen Blutes dar.    

In Babolna zeigt die Paarung der Töchter von O'Bajan XIII mit Ibn Galal or.ar. eine besonders luxurierende Vererbung. Ibn Galal steht heute im Gestüt Dobel bei Frau Ursula Poth und ist als Zuchthengst weithin geschätzt.

In Babolna sind die Rappstuten von O'Bajan X und O'Bajan XIII stets gesuchte Wagenpferde; ein hochedler Rappe zwischen den Schimmelgespannen ist immer wieder ein attraktiver Blickfang.

   
Eine solche Schönheit war die Stute Olympia, in Babolna 107 O'Bajan X genannt, aus einer ähnlichen Paarung stammend wie O'Bajan XIII, die zu erwerben Dr. Schmidt-Ankum im Jahre 1967 das besondere Glück hatte. Die Stute hat noch in Babolna von Gazal VII den Schimmel Gazal I geliefert, der im Gestüt Seehof der Frau Magnussen seit langen Jahren Beschäler ist, im GestütAnkum brachte sie aus derselben Anpaarung den Rappen Othello, der ganz von der O'Bajan-Linie geprägt ist, also ein rechter Bruder von Gazal I und mit hohen Leistungsanlagen ausgestattet. Besitzer ist PeterSzalinski, Wallenhorst.    
Von dem Hauptbeschäler O'Bajan X ist auch der etwas derbe und kalibrige dunkelbraune O'Bajan aus der 104 Gazal VI gezogen, den A. ter Hazeborg, Wankendorf, und darauf K. Harster, Speyer, als Zuchthengst benutzten und dessen beide Söhne Ophir und Onyx aus der Zucht von Harster besonders durch Härte und Leistungsvermögen auffallen, beide sind Privatbeschäler bei J. Dietz in Butzbach.    
In dieser Betrachtung verdient der O'Bajan VII-Sohn Sultan, geb. 1936 in Babolna aus der 82 Shagya XXII besondere Beachtung. Er war 9 Jahre lang Privatbeschäler in der Zucht von ter Hazeborg und zeichnete sich durch besond­re Härte, Springvermögen und gute Charaktereigenschaft aus. Diese Eigenschaften hat Sultan dominant weitergegeben, so in dem Forellenschimmel Sunil, gezogen in Wankendorf, Privatbeschäler bei Frau Erika Naumann in Heusenstamm. Auf der Basis dieses Hengstes Sultan ist der bedeutende Stutenbestand in Wankendorf aufgebaut, wobei die wertvolle Erbmasse mit züchterischem Feingefühl durch Inzucht und Inzestzucht gefestigt wurde. Der große Wurf ist ter Hazeborg gelungen in der Paarung von zwei Sultan-Kindern, dem Hengst Suakim und der Stute Gazelle, woraus 1969 der überragende Leistungshengst Bajar gezogen ist, ein unverwüstlicher, mit hohem Springvermögen und einem Löwenmut ausgestatteten Schimmel, der in Springkonkurrenzen bis Klasse M Erfolge zu verzeichnen hat.    
Der Hengst Bajar ist straff in seinen Konturen, besitzt schönen Aufsatz mit leichter Genickformung, zeigt viel Ausdruck und ein großes sprechendes Auge. Die Sattellage ist hervorragend und die Winkelungen in den großen Skelettbereichen wie auch die plastische Mus­kulatur befähigen den Hengst zu einem Gangvermögen, welches seine Dynamik aus der Hinterhand bekommt und ihn in höchster Versammlung von Sprung zu Sprung in sicherer Fußung und gutem Taxiervermögen galoppieren läßt. Der Reiter fungiert vielfach nur als „Steuermann". Bajar steht seit einer Reihe von Jahren im Gestüt Nordland bei M. Hansen und ist dort ein gesuchter Beschäler, wobei die durch Inzestzucht bedingte Dominanz seiner Vererbung sowohl die Leistungen der Nachzucht prägt als auch ihr Exterieur. In Erkenntnis all dieser Werte hat der Schreiber dieser Betrachtung seine Championatsstute Babolna von O'Bajan XIII mit Bajar decken lassen und O'Bajan VII viermal in dem Pedigree vereinigt, und zwar jeweils in der vierten Ahnenreihe. Diese Paarung hat ein im Gebäude, Typ und Bewegungsablauf ungewöhnliches Hengstfohlen namens O'Bajar entstehen lassen, 1978 geboren, das heute schon die Überwindung von Zäunen bis zu 1,40 m als eine Selbstverständlichkeit ansieht. Besitzer und Aufzüchter R.-M. Sachadae, Bad Godesberg. O'Bajar hat inzwischen eine überragende Hengstleistungs-Prüfung abgelegt und zeigt sich als durchschlagender Vererber. Das Blut der O'Bajan-Linie ist in der deutschen Shagya-Araber-Zucht mit einer großen Variationsbreite vertreten; die ihren Ausgang einmal von O'Bajan X über O'Bajan XIII nimmt und auf der anderen Seite über die besonderen Leistungstypen von Sultan über Suakim zu Bajar.   Shagya-Araber Hengst Ghazzir von Bajar aus der Galina (Gazal VII x Anka/172 Shagya XXXVI) - Foto: 1992 Helmut Gloy
Das O'Bajan-Blut als Träger von Schönheit und Leistung findet sich auch im Auslande, ganz besonders in Österreich; das kürzlich erschienene Stutbuch Band II des Araberzuchtverbandes Österreich über die Shagya-Araber gibt hierüber Auskunft.    

In Dänemark ist das O'Bajan-Blut über den sehr schönen O'Bajan I, geb. 1951 in Babolna von O'Bajan X aus der Siglavy XXXVI -6 durch das Gestüt von Frau Nyegaard, Bartahuus, verbreitet, der einen Sohn, den Schimmel O'Bajan I-10 für das Gestüt von Frau Paula Bahlsen, Hannover, geliefert hat.

In der Schweiz stehen einige Mutterstuten der 0'Bajan-Linie, von denen zwei vielversprechende Modelle aus der Nyegaard'schen Zucht in Dänemark stammen und den schon erwähnten O'Bajan I zum Vater haben; Besitzer sind Ursula Rahm und V. Stössel.

  Shagya-Araber Hengst Bazar von Bajar aus der Sabrina von Radautz - Foto: Helmut Gloy
Auch aus England werden O'Bajan-Stuten aus der dänischen Zucht gemeldet. Insgesamt gesehen hat die O'Bajan-Linie nicht die große Verbreitung wie die Shagya- und Gazlan-Gazal-Linien, doch das 0'Bajan-Blut wirkt genetisch wie ein aktivierendes Ferment, bringt im Exterieur und auch in den inneren physiologischen und charakterlichen Eigenschaften Harmonie und Ausgeglichenheit sowie jene Leistungsbereitschaft, die das Pferd zum besonderen Freunde des Menschen werden läßt.    
So spannt sich der große Bogen vom schwarzen 1880 in der Wüste Arabiens geborenen Original-O'Bajan zu seinen heute lebenden Nachkommen und es lohnt sich für den Züchter, diese Erbmasse zu beachten.    
  ©2005-2007  ISG Internationale Shagya-Araber Gesellschaft e.V.  -   contact: webmaster@shagya-araber.info    Carin Weiß - Telefon: +49 172 408 33 11  - Stand: 10 März 2008  

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