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Internationale Shagya-Araber Gesellschaft
Pure Bred Shagya-Araber Society International

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Shagya-Araber mark - this sun is the orign mark of Sire Line Shagya

Bedeutende Shagya-Araber - Hengstlinien:

Gazlan - Gazal

von Dr. Fritz Gramatzki - 1979

english version   

deutsche Fassung

Die umfassende genealogische Aufstellung der Shagya-Hengstlinie mit ihren vielfachen Abzweigungen bis auf die heutige Zeit führt die weite Verbreitung dieses Stammes deutlich vor Augen. Diese erstmalig erarbeitete Hengsttabelle soll dazu beitragen, daß die wegen des gleichen Namens und z.T. auch der gleichen Numerierung der Shagya-Hengste auftretenden Verwechslungen weitgehend ausgeschaltet werden. Aus diesem Grunde ist es zwingend notwendig, daß in unseren Privatzuchten die eingestellten Hengste und Stuten mit konventionellen Namen benannt werden, wie es schon in den meisten Fällen praktiziert wird und wie es bei allen anderen Rassen seit eh und je der Fall ist.

 

Um die Herkunft bzw. die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Linie aus diesem Namen dennoch ersehen zu können, sollte sowohl im Fohlenschein wie auch im Shagya-Stutbuch zusätzlich der Name des Stammhengstes in männlicher Deszendenz angegeben werden. So würde der braune Hengst Radautz des Herrn M. Hansen, der in Topolcianky den Namen Shagya XX-23 erhielt, folgende Namen tragen: Radautz – Shagya db. 1830. Durch diesen Zusatz wird eindeutig die Zugehörigkeit zur Shagya-Linie dokumentiert, deren Stammhengst im Jahre 1830 in der Wüste (db. = desert bred) geboren ist. Im Stutbuch und auf dem Fohlenschein wird das gleiche System auch für den Mutterstamm praktiziert, so daß neben den 5 Generationen des Pedigrees die väterliche und mütterliche Linie bis an ihre Wurzeln zu verfolgen sind.

 

 

Die bedeutendste Linie der Gegenwart, was Umfang und Typformung betrifft, ist die Gazlan-Gazal-Linie. Sie soll hier in ihrer männlichen Generationsfolge besprochen werden, wobei das genealogische Schema dokumentiert, welche Streubreite dieses Blut heute in unserer Zucht besitzt (siehe Anhang).

 

 

Ihren Ausgang nimmt diese Blutlinie von dem Schimmelhengst Gazlan, geb. 1840, über dessen Abstammung Graf Wrangel in „Ungarns Pferdezucht" folgendes berichtet: „Dieser Originalaraber stammt vom Hengst Hamdanie Semri und von der Stute Tamorie Koheili, Koheilan-Familie. Erkauft von dem Beduinenstamme Anaze Would Ali in der Ebene von Mezeribe". Dieser Schimmelhengst Gazlan wurde mit der Original-Araberin, der Rotfuchsstute Groczana gepaart, diese stammt von dem Schimmelhengst Tadmor Or.Ar. und der Stute Gidran, Fuchs, Original-Araberin aus dem Stamme Siglavy Gidran.

 

 

Aus dieser Paarung wurde das braune Hengstfohlen Gazlan 1864 geboren, welches als zweijähriger Hengst vom Kaiserlichen Hofgestüt im Lipizza käuflich erworben wurde. Im Monat Mai des Jahres 1879 erwarb das Königl. Ungarische Hauptgestüt Babolna diesen Hengst zum Preise von 500 Ft. Die Größe des Hengstes ist im Buch von Wrangel mit 174 cm angegeben, woraus sich auf Stockmaß umgerechnet beachtliche 164 cm ergeben.

Dieser Hochwuchs muß wohl eine starke Fundierung in der Erbmasse dieses kapitalen Stammhengstes besitzen, denn die gesamte von ihm ausgehende Blutlinie zeigt die Tendenz zu bedeutendem Kaliber. Leider sind über diesen braunen Gazlan keine weiteren Charakteristika überliefert, doch sicherlich ist er aufgrund seines starken Exterieurs bei dem Zuchtziel, die Babolnaer Zucht auf ein vielseitiges Gebrauchspferd auszurichten, eingestellt und stark benutzt worden. Sein Sohn, der braune Gazlan I, und dessen Sohn Gazal waren Vollblutaraber. Mit ihnen stirbt in der männlichen Linie das Gazal-Blut als arabisches Vollblut in Babolna aus. Im rumänischen Staatsgestüt Mangalia ist der Vollblutaraberzweig dieser Linie noch bis heute erhalten.

 

 

Als erster Hauptbeschäler der Araber-Rasse - jetzt Shagya-Araber - in Babolna aus dieser Blutlinie ist der braune Gazal I, geb. 1903, verzeichnet. Er stammt aus der 177. Shagya X. Von besonderer Bedeutung ist sein Sohn Gazal II, geb. 1922, den Dr. E. Frielinghaus aus persönlicher Kenntnis wie folgt beschreibt: Gazal II, geb. 1922 in Babolna. Maße: 157/165/180/19,25 cm. Erfolgreichster Hengst der Herde. Sehr gute Abstammung bei stark symmetrisch erscheinen­der Inzucht: zwischen Vater und Mutter besteht eine vierfache Brücke auf: 1. Gazlan I ox. 2. Jussuf ox (beim Vater zweimal, bei der Mutter viermal vorhanden). 3. O'Bajan Or.Ar., 4. Shagya VIII. Hervorragend im arabischen Typ (von den 16 Ahnen der 4. Elterngenerationen sind 10 Vollblutaraber). Ein herrlicher , ausdrucksvoller, trockener, kurzer Kopf mit kleinen, seitwärts stehenden Ohren, ein außergewöhnlich langer edler Hals, viel Widerrist, mächtige Schulter, kurzer Rücken, lange Kruppe; viel Flankentiefe; die Beine sind etwas zu lang. Dieser nahezu einzige Mangel hat bei der starken Benutzung des Hengstes (36 Mutterstuten stammen von ihm) in Verbindung mit der einzig-schönen Kopf-Halspartie gewissermaßen dem ganzen Gestüt einen sichtbaren Stempel aufgedrückt. Eine mehr oder minder deutliche Hochbeinigkeit ist auch durch andere Hengste (z.B. Jussuf IV) verbreitet worden. Das Fundament ist stark genug und trocken, besonders schön das Sprunggelenk.

Von diesem bedeutenden Hengst Gazal II gingen stärkste Impulse auf die Formung der Stutenherde von Babolna aus und seine Töchter sind gekennzeichnet durch hohe Eleganz, Trockenheit, Kaliber und vor allem die taktmäßigen und fördernden Bewegungen unter dem Reiter wie vor dem Wagen. Gazal II lieferte 10 Hauptbeschäler und als deren Krone Gazal VII, einen Hengst internationalen Formates. Sein Blut pulsiert formgebend nicht nur in einer großen Zahl bedeutender Töchter in Babolna, sondern er hat auch auf die deutsche Shagya-Araberzucht entscheidenden und richtunggebenden Einfluß genom­men.

Gazal VII ist in den Wirren des Krieges 1944 auf dem Treck geboren, als das Gestüt Babolna evakuiert wurde und in Bergstetten bei Donauwörth Aufnahme fand. Hier wuchs er bis zum Alter von 3 Jahren auf und kehrte mit dem Pferdebestand im Jahre 1947 nach Babolna zurück. Der Hengst hatte sich vorzüglich entwickelt, wurde für 6 Jahre Landbeschäler und erzeugte in dieser Zeit 203 Fohlen. Seine durchschlagende Vererbung machte die Gestütsverwaltung auf ihn aufmerksam, sie versetzte ihn als Hauptbeschäler nach Babolna, wo er in 15 Jahren zum Stempelhengst für die gesamte Mutterstutenherde wurde.

 

Es war als ein züchterisches Ereignis ersten Ranges zu werten, daß ein Hengst dieser großen Klasse wie Gazal VII im Alter von 23 Jahren in die Bundesrepublik Deutschland, an Dr. Albert Schmidt-Ankum, verkauft wurde. Nach seinem Eintreffen in seiner neuen Zuchtstätte schrieb ich im Dezember 1967 im SANKT GEORG folgende begeisterte Passage: „Gazal VII ist 23 Jahre alt. Wenn er aus seiner Box in Ankum geführt wird und sich aufrichtet, strahlt das ganze Feuer des Arabers aus Blick, Nüstern und dem wie aus kostbarem Ma­terial gemeißelten, wunderbaren Kopf, der den gut angesetzten und edel geformten Hals krönt. Die ganze Erscheinung bietet den überzeugenden Anblick des Orientalen. Mit Gefallen verfolgt das Auge des Züchters die gefällige Oberlinie, den erhabenen Widerrist, die gute Sattellage, über die noch feste Brücke des Rückens zu der für einen Araber gut geformten Kruppe. Die Flanke ist geschlossen, die hintere Rippe im Augenblick noch etwas aufgezogen, da Gazal VII noch nicht ganz die Akklimatisation vom Ungarn-Land nach Süd-Oldenburg überstanden hat. Das unverbrauchte kräftige Fundament mit den gut geprägten Gelenken zeigt keine Altersschäden. Nur im Gang mußte der Hengst schon einigen Tribut an das Alter zahlen. Die feine Textur, das seidenweiche Haarkleid, lassen Adern, Sehnen und Muskelspiel deutlich erkennen. Erwähnenswert ist der für einen Araber große Rahmen und das Rechteckformat bei einer Größe von knapp 1,60 m Stockmaß."

Gazal VII hat die auf ihn gesetzten Erwartungen in unserer Zucht nicht enttäuscht. Aus dem ganzen Bundesgebiet wurden ihm die besten Araberstuten zugeführt, und auch die Landespferdezucht nutzte ihn mit ausgesuchten Stuten als Veredlerhengst (s. Schilke in Nr. 1 und Löwe Ausgabe 211979 von Arabische Pferde). Was er in den 7 Jahren seiner Zuchtbenutzung von Ankum aus geleistet hat, ist einmalig und setzt vielleicht noch potenziert seine Erbkraft aus jugendlichen Jahren in Babolna fort. Dieses gilt sowohl in der Erzeugung von Beschälern der reinblütigen Shagya-Zuchten als auch von typvollen, meist kalibrigen Mutterstuten.

 

 

Insgesamt sind von Gazal VII einschl. der 5 noch in Babolna gezüchteten Hengste 19 gekörte Söhne in der deutschen Araberzucht aufgestellt. Der Senior ist der als Gazal I bezeichnete, jetzt 23 Jahre alte Schimmelhengst der Frau Magnussen, Gestüt Seehof, der aus der schwarzen Olympia von O' Bajan X gezogen ist. Und der jüngste Sohn, Letzter Gazal genannt, bildschön, geb. 1975 aus der Pußta von Jussuf VII, steht als Zuchthengst bei Gier, Neumünster/Holstein.

 

Hervorzuheben ist der Schimmelhengst Czardas, der in der Hannoverschen Zucht als Veredlerhengst benutzt wird. Von ihm stammen bereits 4 gekörte Beschäler, darunter der kapitale Schimmelhengst Amor, geb. 1971 aus der Anka von Shagya XXXVI.

Stärksten Einfluß auf die ostfriesische Landespferdezucht hat der 1956 geborene Gazal aus der 205 Kuhaylan Zaid ox ausgeübt, dessen Nachkommen sich durch besondere Springveranlagung auszeichnen und gesuchte Turnierpferde sind. Dieser Gazal VII-Sohn hat auch in den Trakehner Gestüten Birkhausen und Rantzau gedeckt.

 
Shagya-Araber Hengst Artaxerxes von Amor

Artaxerxes von Amor

Ein weiterer Enkel von Gazal VII ist der Spitzenhengst der letzten Körung in Kranichstein, der braune hochedle, nervige Nasrallah (geb. 1975 von Bartok aus der Nedda von Jussuf VII). Er gehörte dem Gestüt Urihof, Herrn und Frau Buschmann, und es ist zu wünschen, daß diesem wertvollen Beschäler gutes Stutenmaterial zugeführt wird. Jetziger Besitzer ist Gräfin Arco, Schloss Moos. Die Gazal-Söhne und -Enkel zeigen anläßlich der Hengstleistungsprüfung beachtliche Leistungen und ein großerTeil wird ständig im Turniersport gefordert. Zu den vielseitigsten Hengsten mit Erfolgen in vielen Distanzritten, Springprüfungen und Military gehört der Schimmel Gazal VII-9, der unter seiner Besitzerin Scarlett Bertram auch Siege in Flachrennen erringen konnte. Dieser harte Schimmel wird leider nur gering züchterisch ausgenutzt, was auch von dem Rappenhengst Othello zu sagen ist, der etwa die gleiche Ausdauer, Härte und Springanlage besitzt. Erwähnt sei noch der mächtige Schimmelhengst Balaton der Frau Pack, ein sicheres Spring- und Vielseitigkeitspferd. Schwerpunkte direkter Gazal-VII-Nachkommen sind das Gestüt Reichshof mit dem Hengst Balaton und den Stuten Eboli, Zerline und Ziska sowie das Gestüt Seehof mit dem Hengst Gazal I und den Stuten Gazala und der Championatsstute Galina.

 

Shagya-Araber Hengst Nasrallah - klick für pedigree

Im Gestüt von Dr. Schmidt-Ankum wird heute mit den 3 Gazal VII-Töchtern gezüchtet: Moldau, Nicola und Arabis, wobei die Anpaarung mit Amor eine starke Konsolidierung des Gazal-VII-Blutes herbeiführt.

 

Nasrallah von Bartok

Im ungarischen Hauptgestüt Babolna selbst ist seit dem Fortgang von Gazal VII im Jahre 1967 für die Zeit von 10 Jahren kein Gazal als Pepinierehengst aufgestellt gewesen. Erst im vergangenen Jahre holte die Gestütsleitung den 1967 geborenen typvollen Gazal VII-Sohn aus der Landeszucht in das Hauptgestüt unter der Bezeichnung Gazal IX. Er stammt aus der Schimmelstute 34 Kemir II - 89 Shagya 31 - 284 Gazal II. Diese Maßnahme, das Gazal-Blut wieder vermehrt den Stutenstämmen von Babolna mitzuteilen, ist zu begrüßen, insbesondere, da Gazal IX aufgrund seines guten Gebäudes und Kalibers die Aussicht bietet, die vielfach etwas leicht gewordenen Stuten zum klassischen Babolnaer Modell zurückzuführen. Bemerkenswert bei dem Hengst ist das gute Gesicht, die lange elegante Halsung, die vorzügliche Sattellage, die gefällige Oberlinie und das harte kräftige Fundament. Seine Gänge sind bei gutem Antritt kraftvoll und elegant. Von den Hauptbeschälern aus altem Babolnaer Blut, die heute in Babolna decken, ist dem vornehmen Gazal IX der Vorzug zu geben.

Shagya-Araber Hengst Herold von Gazal VII

 

Herold von Gazal VII

Aus dem Gesagten geht hervor, daß die bei weitem dominierende Blutlinie der Shagyas bei uns die Gazlan-Gazal-Linie ist, und wenn man bedenkt, daß im Pedigree auch über die Mütter noch erhebliche Blutanteile dieser Linie hinzukommen, kann eingeschätzt werden, in wie hohem Maße unsere Zucht von deren Erbfaktoren geprägt ist. Es bleibt bei dem großen Anteil von Zuchthengsten dieses Blutes nicht aus, daß ihnen Stuten aus der gleichen Linie zur Bedeckung zugeführt werden und daß hierdurch Inzucht in z.T. engem Verhältnis durchgeführt wird. Es gibt bereits viele Beispiele, daß diese Maßnahme der Inzucht auf Gazal VII und seinen Vater Gazal II nicht nur keine Erbschäden etwa durch Letalfaktoren bzw. durch Verfeinerung der Produkte mit sich bringt - im Gegenteil zeigen Nachkommen aus derartigen Inzuchtpaarungen ein gewisses Luxurieren bei Robustheit im gesamten Exterieur, Eleganz und Schönheit der Bewegungen sowie Charakterstärke, Klugheit und Menschenfreundlichkeit, die diese Pferde besonders handlich und angenehm machen. Ein Beispiel hierfür ist die jetzt dreijährige Schimmelstute Pamina, die in der 2/3 Generation Gazal VII führt und dessen Vater Gazal II in der 5/3 5/4 Generation. Diese Konstellation ist aus dem nebenstehenden Pedigree ersichtlich, wie auch die Konsolidierung auf Shagya XXXVI. Pamina hat mit 3 Jahren eine Größe von 157 cm Stockmaß. Dieser Reichtum des Gazal-Erbes verpflichtet auf der anderen Seite die Züchter, auch andere Linien, die frei von dieser Erbmasse sind, zu kultivieren, um so blutfremde Zuchtreserven für spätere zielgerichtete Paarungen zu erhalten. Hierfür ergeben sich durch das Vorhandensein der vielfältigen Blutlinien der Shagyas verlockende Möglichkeiten, auf die in den nächsten Beiträgen eingegangen werden soll.

Pedigree der Shagya-Araber Stute Pamina

 

 

Insgesamt gesehen stellt die Gazlan-Gazal-Linie mit ihrem Verstärkungseffekt des Kalibers die gesuchte Möglichkeit dar, Araber vom erwünschten Reitpferdformat für den Markt zu erzeugen, die durch ihre Klugheit, Unterordnung unter den Willen des Menschen und Leistungsbereitschaft den vielseitigen Anforderungen besonders entgegenkommen. Die mit der Verstärkung manchmal einhergehende Vergröberung des Typs empfiehlt, wie es in der Zuchtgeschichte vielfach geübt wurde, die Einkreuzung von ausgesuchten arabischen Vollblut­hengsten, die in Korrektheit, Stärke und vor allem dem orientalischen Typ diesem Ziel dienlich sind.

 
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